Sonntag, 1. Oktober 2017

Und die Tage ziehn ins Land...


Es war ziemlich ruhig hier auf meinem Blog. Der Frühling ist vorbeigezogen, die Sonne hat im Sommer gewärmt und nun ist auch schon Herbst und die Lärchen verfärben sich in prächtige Orangetöne. Wo ist nur die Zeit geblieben? Die Monate sind dieses Jahr doch irgendwie schneller vergangen, als gedacht. Ich hatte eigentlich vor, an diversen Wettkämpfen teilzunehmen. So lese ich immer noch auf meiner Pinnwand große Namen wie Ben Nevis Glen Coe, Ultra Pirineu, Transgrancanaria usw. . Aber daraus ist nichts geworden. Warum? Ich glaube, mir fehlte einfach die Motivation. Die Flamme! Die Flamme der Begeisterung, mich wieder für einen Wettkampf vorzubereiten. Wieder eine Distanz zwischen 80 und 100 Kilometer zu laufen. Gegen mich und gegen andere. Puh, das war auf einmal mehr Stress als Freude. Und in meinem Hirn meldete sich eine Stimme zu Wort, die ich bis dahin gar nicht kannte: Pause. Mach mal Pause und verarbeite die letzten 5 Jahre Superlative! Ich bin nicht Phönix aus der Asche. Aber ich habe doch einen ganz schön rasanten Start hingelegt. Ungefähr so, wie wenn die Murmeltiere nach der Winterruhe aus ihren Höhlen hervorkommen und die Wiesen nach essbaren Kräutern absuchen. Vielleicht brauchte auch ich mal etwas Winterschlaf, oder Sommerschlaf. Oder was auch immer. 
Ich kann auf alle Fälle sagen, dass das Dahingedümpel gar nicht mal so schlecht war. Es trainiert sich schon anders, wenn man kein wirkliches Ziel vor Augen hat. Der Druck, im Training alles zu geben, war auf einmal weg und einmal mehr genoss ich das wunderschöne Engadiner Hochtal mit all seinen Wetterkapriolen im Frühling und Sommer. Doch damit ist jetzt Schluss. Die Murmeltiere machen sich startklar für den Winterschlaf und ich hecke schon wieder neue Pläne und Ideen aus! Ha! 
Im Frühsommer bekam ich zum Beispiel eine Nachricht von Frank. Frank hatte ich 2012 in der Atacamawüste kennengelernt und seit dem sind wir auf Facebook befreundet. Er fragte an, ob ich Lust hätte, 2018 beim Patagonia Expedition Race teilzunehmen. Im 4er-Team müsse man durch Patagonien rennen, klettern, laufen, biken und selber navigieren. Und noch einen Abschnitt mit dem Kanu fahren. Im Doppelkanu natürlich. Mehr aus einer Laune heraus sagte ich zu. Nach ca. 8 Wochen bekam ich wieder eine Nachricht. Dieses Mal hieß es: "Freunde, im November 2018 werden wir vier auf eine lange Reise nach Patagonien gehen. Wir haben tatsächlich einen Startplatz bekommen!". Ich war baff. Nur 20 Team werden für dieses Rennen ausgewählt. Anscheinend hatten wir uns ganz überzeugend beworben! Das Patagonia Expedition Race zählt zu den ältesten Adventure-Races und wird seit 2004 ausgetragen. 20 Teams aus aller Welt messen sich in den verschiedenen Disziplinen. Wer als erstes ankommt, hat gewonnen. Meistens geht das Rennen über 9-11 Tage. Das wird wild! Wer schon mal in Patagonien war, weiß, dass dort an einem Tag alle vier Jahreszeiten hintereinander auftreten können. Das wird sicherlich besonders lustig bei den 200km-langen Bikestrecken.. und beim Kanu. Und beim Klettern. Und die Navigation? 
Zum Glück habe ich drei fähige Leute um mich rum: Frank, Timo und Michael. Alles erfahrene Outdoorspezialisten. Wir müssen alle im Team vom Start bis zur Ziellinie zusammensein. Es ist kein Staffellauf oder dergleichen. Durch den Winter werde ich sicherlich viel auf Skitour gehen und mich bei jedem Wetter auf Patagonien freuen. Sobald die Seen dann vom Eis befreit sind, werde ich mit den Enten um die Wette paddeln. Und mich wie ein Äffli durch die Felsen bewegen. Eine schöne Herausforderung, die mich wieder voll motiviert. 
Und Ende 2018 steht dann auch der nächste Vulkan auf dem Plan: es wird nach Chile auf den Ojos del Salados gehen. Der höchste Vulkan Südamerikas mit gut 6900 Metern. 
Alle News und Updates zu den Trainings dann bald wieder hier auf meinem Blog! 

http://www.patagonianexpeditionrace.com

Freitag, 29. September 2017

Der innere Schweinehund schläft jetzt draussen – mehr Motivation für mehr Bewegung!

Ich werde ja nicht selten gefragt, wie ich es schaffe, mich bei Wind und Wetter für mein Training zu motivieren. Wie ich es schaffe, trotz Nordwind, Malojawind, Regen, Schnee, Schneeregen oder Graupel meine Beine für 10 oder 20 Kilometer vor die Türe zu bewegen. Ich muss zugeben: auch ich bin hin und wieder auf der Suche nach meiner Motivation und vor lauter Suchen verlaufe ich mich dann auch schon mal in meiner Wohnung. Der Wille ist da, aber der Körper mag manchmal einfach nicht. Da ist es eigentlich auch egal, welches Wetter ist. Solche Motivationslöcher sind ab und an ganz normal und gehören dazu. Wir sind ja schliesslich keine Maschinen, die auf Knopfdruck Leistung erbringen. Ist die Motivation allerdings im Keller verschwunden, dann sollte man sich fragen, wie sie die Treppe wieder raufkommt.
Am Anfang sollte immer eine Idee stehen, die man verfolgen möchte. Brennt die Flamme der Begeisterung für diese Idee, dann rollt alles von alleine. Wer immer schon einen Marathon bewältigen wollte, aber noch nie länger als 10 Kilometer gelaufen ist, für den wäre ein solider Trainingsplan von Vorteil. Und dieser motiviert auch, bei Wind und Wetter vor die Türe zu gehen. Merke: Ein Trainingsplan kann bei Motivationsfallen helfen! Ein weiterer Tipp ist sich in Gruppen zu verabreden und gemeinsam raus zu gehen. Denn wer will schon absagen, weil sich sein innerer Schweinehund bemerkbar gemacht hat! Mein absoluter Geheimtipp ist „Das gute Gefühl“. Wir kennen es doch alle:
Nach dem Training (oder Bewegung) fühlt man sich einfach anders: freier, besser, lockerer, ausgeglichener, fröhlicher! Man hat das befriedigende Gefühl, etwas aus eigener Kraft geleistet zu haben. An dieses „Gute Gefühl“ sollte man sich beim Motivationstief erinnern. Wer jetzt immer noch nicht die Schuhe für einen kleinen Lauf geschnürt hat, dem empfehle ich die folgenden Tipps:
-       Lauft die Standardtrainingsrunde in die andere Richtung und haltet Augen und Ohren offen, was ihr alles entdeckt.
-       Lauft die Trainingsrunde in wechselnden Geschwindigkeiten! Es kostet am Anfang immer etwas Überwindung, aber wenn man einmal in dem „Schnell-Langsam-Modus“ angekommen ist, macht es richtig viel Spass!
-       Lauft zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das bringt den Rhythmus vielleicht durcheinander, aber lässt den Körper auch aus dem Tiefschlaf erwachen!

Viel Spass, Eure AM!
P.S. Dieser Blog ist auch nachzulesen auf der Website der Engadiner Post: http://blog.engadin.online/blog/ 

Mittwoch, 15. März 2017

Das Training ist immer anders anstrengend!

Die Steigung ist in jedem Training anders anstrengend! Manchmal gebe ich auf, manchmal fliege ich hoch!



Wie immer ist der Winter in den Bergen lang und dunkel und matschig und kalt und es erfordert eine Menge Selbstdisziplin, das Training in einem Rahmen durchzuhalten, so dass die Form nicht ganz verloren geht. Neben dem Trailrunning gehe ich nur all zu gerne mit den Tourenski ins Gelände und suche immer wieder neue versteckte Ecken. Wenn dann mal alles zerfahren ist, bleibt nur noch das Training auf der Piste. In meinem Fall ist das ganz praktisch, da ich die Ski auf den Rucksack schnalle, 1km mit dem Bike fahre und dann eine schöne, anspruchsvolle Trainingsstrecke mit 1000hm vor mir habe. Nur leider ist diese Piste bei jedem Training anders "gelaunt". Es ist unglaublich interessant, wie unterschiedlich mich diese Steigung "fertig" machen kann. Mitunter laufe ich dort hoch und wundere mich, wenn ich oben ankomme. Dann frage ich mich, ob ich vielleicht nochmal hochlaufen soll. Das ist ein tolles Gefühl! Vor allem, wenn ich mit den ultraleichten Rennski unterwegs bin (danke an Micha Steiner!). Diese "Viecher" sind allerdings alles andere als leicht zu handhaben. Neulich musste ich auf diese Spaghetti ausweichen, da meine normalen Ski kaum mehr Wachs hatten und ich Tage zuvor immer wieder steckengeblieben war. Ok, es hatte auch geregnet und der Schnee war alles andere als schön. 
An diesem anderen Morgen war die Piste dann ziemlich vereist und ich rutschte in allen möglichen Hangneigungen ab und landete fast noch im Flussbett. Um den Berg doch noch irgendwie zu bezwingen, holte ich in sehr weiten Serpentinen aus und erkundete somit ganz neue Bereiche dieses Gebirges! Auch schön! Und was soll ich sagen: die Zeit verging dreifach im Flug und ich war im Vergleich zu den Trainings mit den normalen Ski um 20 Minuten schneller! Die Abfahrt war dann allerdings fünfmal so lang und ich war froh, dass ich alleine unterwegs war. Ich kam mir vor, als würde ich auf rohen Eiern fahren... 
Aber des öfteren geht auch an einem solchen Trainingstag rein gar nichts. Da erscheint mir die Steigung als unüberwindbares Hindernis mit Buckeln und Huckeln und von überall her ruft es: "du langsame Schnecke! Da sind selbst die Eichhörnchen schneller als du". Atemnot wie auf dem Kilimanjaro plagt mich und ich muss immer wieder anhalten, um durchzuatmen. Aber auch in solchen Situationen habe ich immer das Ziel vor Augen und denke nur daran, wie schön es ist, endlich oben zu sein. Letztens bin ich allerdings das erste Mal auf halber Strecke umgedreht. Ich konnte einfach nicht mehr! In dem Moment habe ich mich gefragt, ob es denn Spass macht, sich immer zu quälen. In dem Moment war der Körper samt Hirn einfach fix und fertig. Als ich am nächsten Tag meine Rechnung begleichen wollte, spürte ich von dieser Schwäche rein gar nichts mehr. Was es mich gelehrt hat? Zu beißen und zu kämpfen und sich zu quälen macht nur so lange Spaß, bis der Spaß aufhört. Dann lieber auf die nächste Trainingseinheit bauen und eine sinnvolle Pause einlegen. Und die Philosophin in mir sagt: kein Tag ist wie der andere und auch kein Training ist wie das andere. Schakka. 
Es lohnt sich immer auf den Berg zu gehen (Zitat Basti Haag, R.I.P.) 

Manchmal bin ich schneller als mein Schatten! 

Und manchmal ist es so mühsam, als hätte ich Steine im Ranzen. 

Donnerstag, 9. Februar 2017

Fat Boys Run - Podcast Episode

http://fatboysrun.de/fatboysrun-episode-73-anne-marie-flammersfeld/

Hier gibt`s ein schönes Interview mit den "Fat Boys Run" zum Nachhören im Podcast!
Viel Vergnügen!

Samstag, 14. Januar 2017

Ich dachte immer, alternatives Training wäre langweilig!

Ich dachte immer, alternatives Training wäre langweilig. Das liest man ja auch schon im Begriff an sich. "Alternativ" bedeutet doch immer etwas zu machen, was nicht dem Eigentlichen entspricht. Man sucht sich etwas und geht einen Kompromiss ein. Alternativtraining bei uns Läuferinnen und Läufern ist ja meistens das Fahrradfahren oder das Schwimmen. Beides finde ich nicht so ansprechend. Vor allem Schwimmen! Wenn ich Pech habe (und das ist meistens der Fall, wenn ich ich eine Badeanstalt betrete), sind die Umkleideräume mit schreienden Kindern belegt (ich habe nichts gegen schreiende Kinder; aber in den Umkleidekabinen einer Badeanstalt hallt das immer so schrecklich!), die jeglichen Raum für sich in Anspruch nehmen (werdet ihr mal erwachsen, ihr kleinen süßen Wesen!). Mit ihren patschigen Fingern greifen sie in meinen Bodylotion-Topf und schmieren sich die Creme zur Freude der Eltern auf die Kleidung und verteilen den Rest in ihrem sabbernden Mund. Was ich davon halte? Nur schnell hier weg! Habe ich die Hürde des Umkleidebereichs einmal geschafft und tauche endlich in das Becken, fallen mir mindestens drei negative Eigenschaften über das Schwimmen ein: man kann sich nicht die Nase putzen, man kann sich nicht unterhalten und wenn man mal muss, dann muss man raus aus dem Becken und den langen Weg zur Toilette rennen. Nach den geschwommenen Kilometern steht dann der Weg zurück in die Umkleidekabine an und meistens ergebe ich mich meinem Schicksal und denke mir nur: nie wieder.
Anders verhält es sich beim indoor-biking. Das kann ja auch ziemlich langweilig sein, wenn das Fitnessstudio in irgendeinem dunklen Keller ohne Fenster und Aussicht ist. In meinem Fall ist es aber ein toller, heller Kraftraum mit Aussicht auf die umliegenden Berge und dem St. Moritzer See. Und das beste ist, dass dieser Raum nur von Nationalmannschafts-Athletinnen und Athleten benutzt werden darf! So war ich also letztens beim Alternativ-Training auf dem Spinnig-Bike im besagten Kraftraum und strampelte vor mich hin, als plötzlich die Türe aufging und eine einzelne männliche Person reinkam. Mein geschulter sportwissenschaftlicher Blick sagte mir sofort, dass es sich um einen Bobfahrer handeln muss, vielleicht sogar um einen Anschieben: Breite Schultern und Oberschenkel mit einem Durchmesser eines Elefantenbeins. Ich radelte weiter vor mich hin (Intervalltraining mit unterschiedlichem Widerstand) und beobachtete die Person aus dem Augenwinkel. Mit einer Hantelstange ohne Gewichte fing er an, erste Übungen zu machen. Mh, dachte, ich, ist das schon alles? Mehr geht da nicht? Als Läuferin habe ich mit Krafttraining ja ungefähr so viel am Hut wie Spiderman ohne Spinnenfäden. Aber die Show war noch nicht zu ende. Es folgte ein Durchgang mit Gewichten so dick wie Autoreifen. 4x4 Wiederholungen mit gestreckten Armen über den Kopf und dann Bäng: die Hantelstange aus voller Bewegung auf den Gummiboden fallen lassen. Mann, was hatte ich mich erschrocken! Aber das ist wahrscheinlich nur Teil der Show, so dass alle (in dem Fall nur ich) bewundert zu der Person schauen sollen. Danach wurden nochmals 2 weitere Autoreifen auf die Stange geknallt und das Spektakel begann von vorne. Ich fühlte mit den Bandscheiben dieser Person und brachte mich unbewusst in Deckung, falls gleich eine rausspringen sollte. Die Vorstellung endete nach einer weiteren Runde Autoreifen und einem Getänzel vor dem Finale wie Usain Bolt vor einem 100m Sprint. Danach räumte die Person alles wieder auf und verschwand aus dem Raum. Währenddessen schaute ich auf die Uhr und freute mich wie Bolle, dass ich 30 Minuten länger als geplant trainiert hatte. So macht alternatives Training Spass!

Mein Musiktipp: 
https://www.youtube.com/watch?v=0n7v-gGYpaw 
Aussicht vom Spinningbike

Auf dem Spinningbike :-)


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Der höchste Vulkan Nordamerikas!


Speedy Gonzales wäre stolz auf uns, denn wir haben den höchsten Vulkan Mexikos (und Nordamerika) in sechs Tagen bezwungen. Ein ziemlicher Kraftakt, wenn man bedenkt, dass wir vom tiefsten Punkt des Landes an der Golfküste in Veracruz gestartet sind und die gesamte Strecke mit dem Bike und in Wanderschuhen zurückgelegt haben. Dass wir es überhaupt geschafft haben, hatte auch sehr viel mit Glück und vielleicht auch richtigem Timing zu tun. Auf alle Fälle waren die 260 Kilometer mit 6500 Höhenmetern alles andere als einfach! 
Am frühen Samstagmorgen waren wir dann endlich alle am Mexiko City Flughafen zusammen. Beppe und Alessio haben jeglichen Schwierigkeiten getrotzt (streikende Züge in Italien, Überschwemmungen, brennendes Auto, streikende Piloten der Lufthansa) und auch ich habe mich mit meinem übergroßen Gepäck durchgekämpft. Hätten es sich die Piloten der Lufthansa anders überlegt und anstatt Samstag am Freitag auf der Langstrecke gestreikt, so wäre unser Projekt schon am Anfang gescheitert. Glück gehabt, Speedy! 
Sack und Pack verstauten wir im Miet-Bus und kämpften uns im Anschluss durch den 6-spurigen-Cityverkehr Mexikos! Ohne Kratzer und Schrammen schafften wir es auf den Highway Richtung Osten und machten nach 3 Stunden unseren Stop im Bergsteigerdorf Tlachichuca auf 2600m. Dort bauten wir in aller Ruhe unsere Bikes zusammen und sortieren die Kleidung und das Equipment für die kommenden geplanten 2 Tage auf dem Bike. Den Rest deponierten wir in der sehr freundlichen und ruhigen Lodge bei Marille und Joachin. Nach weiteren 3 Stunden Fahrt erreichten wir das Hotel in Veracruz an der Küste auf Meereshöhe. Hier räumten wir den Bus leer, um ihn anschliessend zum Flughafen zu bringen. Auf der Fahrt dorthin stoppten wir an einer Tankstelle und der Tankwart fragte nach dem Sprit: Benzin oder Diesel? Oder groß nachzudenken, meinten wir alle, dass es Diesel sei. Dummerweise vergewisserten wir uns aber nicht mehr und der Tankwart ließ den Diesel in den Tank fließen. Beim Losfahren kam dann das dunkle Erwachen: der Bus fuhr gerade mal noch einen Meter, bevor Stillstand herrschte! Wir hatten den falschen Sprit getankt! Oh, nein, Speedy! Und ausgerechnet an dieser einen Zapfsäule war der Dieselzapfhahn ohne spezielle Vorrichtung, so dass er auch in einem Benzintank passte! Viele Anrufe und Telefonate später kam ein Abschleppauto und übernahm den Schaden, den wir angerichtet hatten. Um 1 Uhr in der Früh waren wir ohne ein gescheites Abendessen im Hotel und fielen todmüde in die Federn. Ich sage,Glück gehabt, Speedy! Wer weiß, was sonst vielleicht auf der Straße passiert wäre. 
Am Sonntag in aller Früh ging es an den Strand von Veracruz: das ist immer ein magischer Moment, wenn wir tatsächlich am tiefsten Punkt des Landes sind; noch voller Kraft und Energie und es kaum erwarten können, dass das Bike endlich rollt! Und es rollte dann auch direkt über den Highway, oder auch Autobahn genannt. In Deutschland und der Schweiz hätten wir es innerhalb 5 Minuten in den Verkehrsfunk aller Radiostationen geschafft: Achtung, Fahrradfahrer auf der Autobahn! Aber in Ländern wie Mexiko, Tansania oder Iran ist das alles gar kein Problem und wesentlich ungefährlicher, als auf Landstraßen, da es dort zumindest einen Standstreifen gibt, auf dem wir ganz gemütlich fahren konnten! Trotzdem galt es ständig aufzupassen, da die Mexikaner andere Straßenregeln befolgen! Gegen Mittag erreichten wir eine kleine Bar, an der wir Halt machten und uns literweise Wasser in unsere ausgetrockneten Körper schütteten. Ich kam mir vor wie in der Wüste, so heiß war es. Der nette Besitzer mit italienischen Wurzeln servierte uns dann noch einen exzellenten Kaffee, der zu neuen Kräften verhalf und den Puls in unerwartete Sphären trieb! Arrriiiivvvaaa, venga, venga! Am späteren Nachmittag kamen wir an unserem Etappenort Cordoba an. Doch kurz vorher mussten wir noch ein Loch in Alessios Schlauch flicken. 
Der Abend verlief kurzweilig mit einem feinen Dinner und eiskalten Bier. 
Am Montag ging es weiter: es standen 100km mit 2500hm an, und es sollte ein ziemlicher Kraftakt werden! Nach 30km erfrischten wir uns in einem kleinen Dorf und wollten anschließend die Fahrt fortsetzen. Leider war Alessios Schlauch abermals ohne Luft, so dass wir diesen flicken mussten (Nr.1). Nach ca. 10km mussten wir erneut stoppen (Nr. 2) und nach ca. 500m abermals (Nr. 3) und nach weiteren 800m (Nr. 4) hätten wir am liebsten alle laut geschrien! Der 1000hm - Anstieg wurde nicht weniger und unsere Nerven lagen blank. Auf mein Drängen sprach Beppe dann einen Local an und dieser schickte uns zu einer kleinen Hütte, in der wir nach zwei Kindern fragen sollten. Kinder? Ok, wir machten die Hütte ausfindig und auch die Kinder waren anwesend! Das Bike wurde zum 5. Mal demontiert und ich war am Ende meiner Kräfte und sah keinen weiteren Sinn in dieser Aktion. Doch manchmal muss man einfach auch blind vertrauen, speziell wenn man keine andere Möglichkeit hat! Nach einer Stunde war der Schlauch perfekt geflickt, repariert und tadellos in Ordnung, so dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten, ohne ein weiteres Mal anhalten zu müssen. Diese ganze Aktion kostete uns allerdings so viel Zeit und Nerven, dass die Stimmung zwischendurch mal kippte. Beim lang ersehnten Downhill machten wir einiges an Zeit wieder gut und rasten mit über 50km/h die Berge runter. Gegen 17:30 Uhr erreichten wir die Hauptstrasse und vor uns lagen noch 30km bis Tlachichuca! Wir rollten in einem recht flüssigen Tempo über die Landstrasse, doch schon bald war es stockfinster und sehr gefährlich, da die Lastwagen und Trucks weiterhin in einem Affentempo an uns vorbeirauschten. Das Adrenalin hielt uns wach und wir waren hochkonzentriert. Jetzt ja keinen Fehler machen, immer schön auf der Spur bleiben; hoffentlich kommt kein Schlagloch... Als wir die Lichter einer recht großen Stadt sahen, beschlossen wir, dass es vernünftiger war, dort zu übernachten und das Schicksal an diesem Tag nicht noch weiter herauszufordern! Mit google suchten wir ein Hotel und anschließend den Weg. Die Digitalisierung macht es möglich! Ein wenig später schon hockten wir vor einem prasselnden Kaminfeuer und aßen weltbeste Schnitzel, Steaks und spülten alles mit einem kühlen Bier hinunter. Was für ein Tag! Was für ein Glück, Speedy! 
Am Morgen des Dienstags rollten wir ganz gemütlich nach Tlachichuca und packten dort alles für den Berg zusammen. Es tat gut, ein wenig Zeit zu haben und den Abend und Nacht in Tlachi auf 2600m zu verbringen. Maribelle aus der Lodge verwöhnte uns mit einem guten Essen und die Nacht war auch recht angenehm, bis uns um 5:00 Uhr in der Früh ein Feuerwerk aus den Träumen riss! Die Mexikaner feierten genau in der Woche ein christlich-katholisches Fest und ballerten den ganzen lieben langen Tag Feuerwerk ab, als wäre jede Minute Sylvester! Man muss sich das so vorstellen: immer wieder ertönt der Knall einer China-Böllers oder einer Rakete und jedes Mal erschrickt man sich so sehr, dass man einen Sprung zur Seite macht. Für Herzpatienten nicht sehr förderlich! 
Somit waren wir zumindest hellwach und konnten am Mittwoch mit den Bikes bis auf 3500m rauffahren, um dann in die Wanderschuhe zu steigen und den restlichen Weg bis zur Pedra Grande Hütte zu Fuß zurück zu legen. Beim Aufstieg probierten wir, möglichst langsam zu laufen und die Atmung an dieses Tempo anzupassen. Ich weiß nicht, ob es dieses langsame Laufen war oder die Anstrengung der vergangenen Tage; Punkt Ankunft auf 4200m auf der Hütte, zerlegte es mich für die folgenden 24 Stunden. Leichte Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Lethargie und Herzrasen machten sich bemerkbar und jede Bewegung zur qualvollen Anstrengung. Was war mit mir los? Ich konnte nun am eigenen Leib erfahren, dass man nie vorhersehen kann, wie die Akklimatisierung abläuft. Mal ist alles gut, mal zerlegt es einen. Bravo. Das konnte ich gerade genau gebrauchen. Leichte Panik stieg in mir auf, da die Zeit einerseits für mich tickte (je länger ich auf der Höhe blieb, desto besser verlief die Anpassung) und einerseits gegen mich (was, wenn die Akklimatisierung doch nicht stattfand?!). Ich hatte mich doch das ganze Jahr so sehr auf dieses Projekt gefreut und nun sollte mir mein "Hochleistungskörper" einen Strich durch die Rechnung machen? Alles war so lange geplant und ausgetüftelt. In unzähligen Skype-Telefonaten und E-Mails entwickelten wir Drei das Projekt und ich freute mich so sehr, diese neue Herausforderung, einen Vulkan auf 5600m mit Ski abzufahren, anzunehmen. Doch ich wollte auch nichts riskieren; jegliche Unvorsicht in großen Höhen kann übel enden. Besonders bei einer geplanten Skiabfahrt. 
Zum Glück hatten wir den Donnerstag noch zur Anpassung eingeplant, so dass ich mich zu stressen brauchte. Aber sag das mal einem, der nicht bei vollen Kräften ist! Nach 24 Stunden ging es mir dann aber doch besser und ich war froh, dass Beppe und Alessio keine Probleme hatten, und mich stattdessen gut versorgen konnten (Tee kochen, Essen kochen, usw.). Auf der Hütte war noch ein britisches Ehepaar und wie sich herausstellte, war der 73 jährige Peter Holden eine Legende im Klettern! Er hatte in den frühen 1980er Jahre alle sechs großen Nordwände der Alpen in einem Winter erklettert! Wir fanden in ihm einen sehr unterhaltsamen Gesprächspartner mit einem großen Repertoire an tollen Geschichten und Storys! So verging die Zeit am Donnerstag und mein Körper erholte sich Minute um Minute! Die Nächte waren allerdings immer der Horror. Da ich bestimmt 5 Liter Wasser trank, musste ich alle Stunde raus aus dem Schlafsack und die Freiluft-Toilette aufsuchen. Immerhin ging es nicht nur mir so. Zudem war der Sternenhimmel gigantisch! 
Am frühen Freitagmorgen schulterten wir gegen 3 Uhr in der Früh unseren schwer beladenen Rucksack samt Ski, Steigeisen, Pickel, Gurt und Seil. Wir hatten nur noch diesen einzigen Tag und gingen es an. Mit meiner Flutlicht-Stirnlampe leuchtete ich uns den Weg durch das "Labyrinth"und wir schafften es mit ein paar Umwegen, fast pünktlich zum Sonnenaufgang (ca. 6:30 Uhr) am Gletscher anzukommen. Es war schon sehr anstrengend und als wir das lange Eisfeld vor uns sahen, stockte uns kurz der Atem! Wir blieben weiterhin auf Steigeisen und die Ski waren weiterhin am Rucksack montiert. Schritt um Schritt ging es nun stetig bergauf für die kommenden 700hm. Die Steigung war teilweise um die 40%, womit jeder Schritt absolut sicher sitzen musste. Es war die reinste Tortour. Meine Kräfte waren ziemlich am Ende und ich schaltete den mentalen Turbomotor an. Für eine gewisse Zeit konnte ich mich mental sehr gut ablenken, doch ich merkte, dass auch diese Kraft an ihre Grenzen kam. Ich stellte dieses Mal aber fest, dass es da noch mehr gibt, als die bewusste, willentliche mentale Kraft. Da ist ein Urvertrauen, dass ich es schaffen werden und will, welches mich antreibt, nicht aufzugeben, auch wenn ich bewusst merke, dass die physische Kraft immer weniger wird. Vielleicht kann ich es mit den Worten beschreiben: "Jetzt habe ich es soweit geschafft, nun bringe ich es auch zu Ende!" Ich musste doch einfach nur Laufen; einen Schritt vor den anderen setzen; einfach nur Laufen und keine großen Denkaufgaben lösen. Und das funktionierte tatsächlich. Mein körperlicher Motor lief zudem seit einiger Zeit auf "Gummibärchen-Modus", was bedeutete, dass ich ca. alle 15 Minuten eine Handvoll Zucker zu mir nahm. Beppe war sehr gut drauf und spurte den gesamten Gletscher für uns rauf. Alessios Taktik bestand darin, immer ein Stück schnell zu gehen, um dann kurz zu pausieren. Und meine Taktik? Ich versuchte alles und wechselte immer wieder den Rhythmus. 30 Meter vor dem Gipfel wollte ich dann plötzlich nicht mehr laufen. Doch Alessio munterte mich mit dem Satz "This is the best time of your life" auf und ich mobilisiere nochmals Kräfte, um dann um 10:00 Uhr endlich auf dem höchsten Vulkan Nordamerikas zu stehen!Wir fielen uns in die Arme und Tränen der Erschöpfung flossen! Was für ein Kraftakt! Nach kurzer Verschnaufpause auf dem Gipfel schnallten wir die Ski unter unsere Füße und machten uns für die Abfahrt parat. Keiner von uns ist vorher auf einer solchen Höhe Ski gefahren und wir waren alle ziemlich aufgeregt. Das Herz klopfte uns bis zum Hals und die ersten paar Meter waren alles andere als angenehm, da es ziemlich eisig war. Die folgenden Schwünge wurden allerdings immer besser, da der Schnee durch die Sonne leicht angetaut war. Mit mehr Selbstvertrauen wurden unsere Bewegungen rhythmischer und die ersten Juchzer kamen aus unseren Kehlen! Unser Traum wurde Wirklichkeit und wir fuhren den Vulkan tatsächlich mit den Ski ab! Völlig fix und fertig erreichten wir dann das Ende des Gletschers und verstauten die Ski wieder auf unseren Rucksäcken. Der lange Weg durch das Labyrinth wurde noch länger, da wir alle mit unseren Kräften am Ende waren und uns zudem ein paar Mal verliefen. Unser mexikanische Freund Mario erwartete uns inmitten des Labyrinths uns zeigte uns den Weg hinaus. Großer Jubel und Stolz wurde uns auf der Hütte von unseren neuen Freunden entgegengebracht, was uns alle sehr glücklich machte. 
Der Jeep unserer Lodge stand schon bereit und wurden packten unser Equipment ein. Beppe und Alessio fuhren mit den Bikes downhill und ich beschloss, mein Schicksal nicht weiter herauszufordern und fuhr mit Joachin im Jeep nach Tlachichuca. Jedoch wollte der Jeep nicht mehr fahren, da eine Feder abgesprungen war! Ich wartete also eine gute Stunde auf der Hütte und vertrieb mir die Zeit mit guten Gesprächen mit Peter, Angela und Mario. Trank Tee und bekam ein Stück englischen Weihnachtskuchen! Die Mexikaner schafften es tatsächlich, den Jeep wieder fahrbar zu machen und so rollten wir den Berg hinunter. Allerdings nur so weit, bis es wieder für ein Stück bergauf ging und der Motor streikte. Ungefähr 10x wurde die Motorhaube geöffnet, etwas geschraubt und gedreht, zurückgefahren, Anlauf genommen, um es dann irgendwann im Schneckentempo und mit angehaltener Luft über den Hügel zu schaffen. Anstatt zu verzweifeln, hatte ich die tiefe Überzeugung, dass ich auch dieses letzte Abenteuer schaffen würde und irgendwann in Tlachichuca ankommen würde. Meine ausgetrocknete Kehle und mein knurrender Magen blendete ich einfach aus und freute mich nur über den Gipfel. Glück gehabt, Speedy! Nach 3 Stunden Fahrt (normalerweise 1 Stunde!) kam ich endlich in der Lodge an, wo Beppe und Alessio schon mit einem Bier auf mich warteten. Mit einer heißen Dusche und einem feinen Dinner von Maribelle fühlte ich mich wie neugeboren! 
Der Samstag bestand dann darin, alles für den Rückflug einzupacken und zum Flughafen nach Mexiko City zu fahren. Um 20:00 Uhr saßen wir auf unseren Plätzen in der Lufthansamaschine. Kurz vor Start ertönte es allerdings aus den Lautsprechern und der Pilot teile uns mit, dass es merkwürdige Geräusche im Frachtraum geben würde!? Wir rollten somit nicht zur Startbahn, sondern zurück zum Parkplatz! Nach einer guten Stunde gab es dann Entwarnung und wir konnte mit reichlich Verspätung in Richtung Osten abheben. Beppe und Alessio erwischten sogar noch ihre Anschlussflüge und sogar das Gepäck schaffte es bis nach Mailand. Ich überlebte die sechs Stunden Autofahrt von Frankfurt bis nach St. Moritz und gegen Mitternacht waren wir alle wieder in der Heimat. Glück gehabt, Speedy! 
Total: 260km, 6 Tage, 6500hm. 
Tausend Dank an Katadyn Trek`N Eat, Oat King, UVU Racing, Julbo, Petra, Bertold, Mario, Beppe, Alessio, the families and friends und an alle, die uns live verfolgt haben! 
Der Film zum Abenteuer kommt auch bald! Hier schon mal ein paar Fotos: 













Samstag, 26. November 2016

Die Anreise

Die Anreise
Alles ist fertig gepackt und die Taschen bis aufs letzte gefüllt mit Klamotten für 2 Jahreszeiten und Equipment für 3 Sportarten. Ich komme mir vor, als ob ich nicht eine Woche verreisen würde, sondern 3 Monate! Ich fühle mich auch ein wenig dekadent und privilegiert, dass ich mal eben nach Mexiko fliege und dort (leider) nur 8 Tage verbringe. Zurück zum Thema: ich komme am Flughafen Frankfurt ohne Stau auf der Autobahn an und finde auch auf Anhieb das Parkhaus. Ich lade alles aus und suche vergeblich einen Gepäckwagen. Nun denn, alles auf den Buckel laden und irgendwie den Lift finden. Rucksack mit 20kg auf den Rücken, Biketasche auf Rollen in eine Hand, die Umhängetasche über die Schulter und, achja, der Skibag! Wo findet der noch Platz? Auf der anderen Schulter! So laufe, rolle und schleppe ich mich durchs Parkhaus in Richtung Lift. Dort steht auch endlich ein Gepäckwagen. Ich lade das Bike quer, dadrauf den Rucksack und die Ski stechen wie eine Lanze oben raus. Der Lift kommt und wer passt nicht rein? Ich! Also alles wieder vom Gepäckwagen abladen und unter grössten Kraftanstrengungen den Plunder längs und hochkant auf den Wagen und den Rucksack auf den Rücken. Passt. Der Lift öffnet sich und ich fahre zum Terminal. Mittlerweile laufen mir die ersten Schweissperlen den Rücken runter. Nach einer endlosen Tour durch verschiedene Gänge, erreiche ich eine Rolltreppe, die mich zum Schalter bringen soll. Zum Glück entdecke ich noch einen Lift, auf den ich zielsicher hinstrebe. Leider ist der Lift noch kleiner als der erste, so dass ich es irgendwie managen muss, alles Gepäck in den Lift zu werfen, ohne dass die Türen schliessen und der Lift mit meinem Gepäck abhaut! Mit einem langen Spagat schaffe ich es zeitgleich die Türen offen zu halten, die 28kg schwere Biketasche vom Wagen in den Lift zu befördern und mir dabei einige Male die Schienbeine am harten Metall anzuschlagen. Bei der kurzen Fahrt in die 2. Etage kann ich kurz verschnaufen. Und dann geht alles wieder raus. Der Wagen, die Biketasche, der Skisack, der Rucksack, die Umhängetasche und ich. Von Schweissperlen ist jetzt keine Rede mehr; eher Überflutung. Und dann geht alles plötzlich ziemlich schnell: am Schalter für Sondergepäck stehen vor mir nur 2 grosse Kisten mit 2 grossen Hunden, die etwas ratlos schauen. Mein Gepäck wird ohne Probleme eingecheckt und ich bin um Ca 60kg leichter...

Während ich noch eine ganz gute Anreise habe, müssen Beppe und alessio mit diversen Hindernissen kämpfen. Da die Piloten der Lufthansa streiken, ist ihr Flug von Pisa nach München gestrichen. Mit Auto und Bahn schaffen sie es gerade noch rechtzeitig zum Münchner Flughafen und trotzen überfluteten Strassen in Italien und rauchenden Motoren.
Das Abenteuer hat begonnen!

Sonntag, 13. November 2016

Getting ready for the next volcano: Pico de Orizaba in Mexico!

It is always exciting to start a new project when you have an idea about doing something. The thoughts in your mind are chaotic and they are hopping around like flipper balls. And then you press the start button and it rolls. Its still chaotic but it becomes clearer and clearer.
Our new project will start in the middle of November 2016. We want to climb the third volcano in our series “Volcanic Seven Summits Bottom Up Climbs” and we decided to rock the highest volcano of North America. It is the Pico de Orizaba in Mexico (5636 meters)! Of course we want to do it in the Bottom Up Climbs Style what means to start at the lowest point of the country which will be on the shore of the Gulf of Mexico.
The first thing we do is to make a research about the country and its special landscape. Due to the fact that we have no library of maps we use google maps or open street maps to get a first impression about the conditions. We find out where the highest point is and then we decide where we need to start. On google maps you can see only the road and some smaller streets but no hiking or biking trails. It is always a surprise when we get to the country to see how the roads are! For our new project we decided to start in Veracruz at the shore of the ocean. Veracruz is a big city what makes it normally easier with all the logistical things. Apropos logistical things: I dont know why but on this trip everyone has a special idea: Beppe wants to be independent what means that he doesn’t want to have a support car who carries all our bags. That means that we have to organize everything for ourself. Alessios ideas makes it not easier because he wants to ski up and down the last section of the volcano (approximately 750 meters). That means we have to carry the skis and boots and poles as well. Due to the fact that we have no support car it will be a challenge to cycle and hike with all that equipment. Compared to Beppes and Alessios ideas is my wish very simple: I don`t want to sleep higher than 4000 meters what means that the boys have to be fit to climb the summit from that hight in one go. Fortunately the last hut is on 4200 meters what means that we can stay there for 2 days and acclimatize. The summit day will be at least 1400 vertical meters. Absolutely makeable 🙂
Due to these “extra”-wishes the trip needs a proper logistic planning. Although we only have 8 days for everything!!
At the moment we try to plan the “external factors” like: to organize a rental car from Mexico city to Veracruz; Book our own bikes and ski on the flight; Organize the hotels (easy); organize the stay at the Pedra Grande Hut on 4200 meters because there is no water source. Therefore we need a guide with jeep who drives up the water for us because it would be impossible to hike up with all the equipment AND water for 3 days (12 liter?!). Then we need to organize the transport back to Mexico city. The internal factors are about food, mechanical equipment for the bikes, how to pack everything what means to travel with: bike, ski, ski boots, ski poles, ice axt, rope, bike shoes, hiking shoes, sleeping bag, sleeping mat, helmet, bikes clothes, glacier clothes, food,…. I don`t see myself with all that equipment traveling from St. Moritz village to the airport by train !!)…But this is exactly what I love. To have an idea and to make a plan out of it. With the trust that everything will become reality! 



Stay connected with us and learn in the next blog post who we are and what makes our three different characters so special!

Dienstag, 1. November 2016

Tapering, Weltmeisterschaft und Danach!

Wie stellt sich eigentlich ein „Nicht-Sportler“ oder ein „Nicht-Wettkampfathlet“ das Leben einer Athletin vor? Zuerst einmal kommt eine ganze Weile ein Training mit verschiedenen Einheiten. Darauf will ich hier aber gar nicht näher eingehen. Denn das sollte ja auch eigentlich klar sein. Ohne Fleiss keinen Preis! Doch ca. 2 Wochen vor einem Wettkampf ändert sich das Trainingsverhalten der Athletin schlagartig. Es wird nur noch halb so viel trainiert, die Einheiten sind wesentlich kürzer und die Regeneration steht im absoluten Vordergrund. Was jetzt noch nicht gemacht wurde oder geheilt ist, hat keine Chance mehr auf Verbesserung. Denn zwei Wochen vor dem Wettkampf sollte das Training abgeschlossen sein. Nun befindet sich die Athletin in der „Tapering-Phase“. Dies bedeutet, dass der Trainingsumfang um ca. 50% reduziert wird und der Körper viel Zeit zur Erholung bekommt, um dann am Tag X des Wettkampf perfekt ausgeruht und trainiert zu sein. Wer jetzt glaubt, dass diese Phase doch super sein muss, der täuscht sich gewaltig. Es fällt der Athletin nämlich gar nicht leicht, von 110% auf 50% herunterzufahren und plötzlich anstatt 4 Stunden Training nur noch 1 Stunde zu schwitzen. Unruhe macht sich bemerkbar und Gedanken kreisen im Kopf wie „Habe ich genug trainiert? Reicht es? Hätte ich nicht noch mehr machen sollen? Oder war es gar zu viel Training?“ Diese Phase ist zudem gekoppelt mit letzten Vorbereitungen, die den Wettkampf betreffen. Das erforderliche Equipment wird rausgesucht, das Ernährungskonzept erstellt, das Strecken,- und Höhenprofil ausgedruckt und mit markanten Punkten versehen. Jetzt bleibt noch Zeit, um notwendige Vorkehrungen zu treffen. Tapering ist sehr wichtig, denn nur eine entspannte Sportlerin ist eine gute Sportlerin! In der Ruhe liegt die Kraft und nur wer in dieser Phase zu viel macht, kann eigentlich nur schlechter werden!
Und dann geht es zum Wettkampf.
Und hier berichte ich und beschreibe das letzte Race bei der Weltmeisterschaft im Ultratrailrunning in Portgual am vergangenen Samstag. Der Start ist um 5 Uhr, was bedeutet, dass das Frühstück um 3 Uhr stattfindet. Zum Glück teile ich mir mit Simone das Zimmer, sonst wäre ich glatt eine Stunde zu spät aufgestanden. Ich hatte meinen Wecker auf 3:30 gestellt, anstatt auf 2:30! Huijujuiuhu! Das wäre lustig geworden!
Das Aufstehen gelingt trotzdem sehr gut, obwohl die Nacht alles andere als ruhig war. Zum Frühstück gibt es leckere Hefeteig-Schnecken mit Honig und Kaffee. Ich sitze mit dem deutschen Team an einem Tisch und die Aufregung steigt mit jedem Schluck Koffein. Mit dem stark verspäteten Bus fahren wir ca. 45km bis zur Startlinie und haben gerade noch 15 Minuten Zeit, bis es losgeht. Und dann gehen die Stirnlampen an und die über 280 Athletinnen und Athleten rennen los. Für die kommenden 2h45min ist es stockfinster und nur die Kopflampen weisen uns den Weg. Ich komme ganz gut rein ins Rennen und merke, wie die Maschine recht schnell startet. Ich lasse mich aber nicht sonderlich hetzen und rausche im mittleren Tempo im hinteren Mittelfeld mit. Für manche Läufer ist das technische Gelände reinstes Neuland und immer wieder muss ich in den Bergabpassagen abbremsen, da die Kolonne ins Stocken gerät. Als wir dann einen ziemlich tiefen Fluss überqueren müssen, welcher nur über wenige, spitze und aalglatte Steine zu passieren ist, hätte ich fast einen Abflug gemacht. Ich bin dicht hinter einer Läuferin, die grosse Schwierigkeiten hat und auf einem Stein mitten im Fluss stehenbleibt und nicht vor und nicht zurück kann. Dummerweise stehe ich mit ihr auf diesem Stein und bleibe erst mal still, um sie nicht nervös zu machen. Nach einer gefühlten Ewigkeit reicht es mir langsam und ich ermutige sie, doch einfach zu gehen. Dabei gerät sie ins Straucheln und greift nach meinem Arm! Himmel! Ich halte sie gerade noch so fest , bis sie das Gleichgewicht wieder gefunden hat, um es im nächsten Moment direkt wieder zu verlieren. Blitzschnell reisse ich mich von ihr los und gebe ihr einen kleinen Schwung nach vorne, so dass sie zum nächsten Stein und somit in „Sicherheit“ springen muss. Das hätte auch echt übel ausgehen können. Weiter geht’s! Als die Sonne später aufgeht gibt das einfach nochmal zusätzliche Energie. Ich laufe und freue mich, dass ich mitmachen darf! Nach 30km treffe ich am 2. Verpflegungsposten ein und kurz nach mir kommen auch Ildiko und Claudia an. Beide sehen recht frisch aus und ich muntere uns auf: Lets rock it, girls!  Währenddessen werde ich von unserem super Betreuerteam mit allem Notwendigen versorgt und Dodo haut uns allen nochmal eine extra Portion Iso rein! Es geht weiter, aber irgendwas ist anders. Der erste lange Anstieg erweist sich als mühsam. Langsam macht sich auch die Hitze bemerkbar. Ich finde keinen Rhythmus und bin furchtbar langsam. Die Sonne brennt, es ist heiss und der nächste Verpflegungsposten ist noch gute 10km und 800hm entfernt. Ich glaube, ich verdurste und erste Krämpfe in den Beinen machen sich bemerkbar. Gitti zieht zu mir auf und wir laufen eine Weile zusammen, bis wir endlich den Verpflegungsposten erreichen. Ich schütte mir das Wasser und Iso ohne Ende rein und merke gar nicht, dass es meinen Durst stillt. Ich fühle mich sehr erschöpft. Aber, das Iso und der Zucker wirken und neue Kräfte lassen sich mobilisieren. Ein langer Abstieg über eine Forststrasse folgt, aber mit vollem Wasserbauch lässt die sich nicht sonderlich schnell laufen. Und dann machen sich die Krämpfe im Magen oder Darm oder Zwerchfell oder sonst wo bemerkbar und ich muss das Tempo verlangsamen und Gitti ziehen lassen. Ich hoffe, dass die Krämpfe sich mit der Zeit bessern, aber leider ist das Gegenteil der Fall. Ich kämpfe und leide und habe viel Zeit über meine Misere nachzudenken, was nicht gerade dazu beiträgt, dass es mir besser geht. Ich schleppe mich von einem Kilometer zum nächsten und trinke bei jedem Verpflegungsposten grosse Mengen Wasser, Iso und Cola, doch nichts hilft. Es ist zum Heulen. Klar, ich kann aufgeben, aber bei einer Weltmeisterschaft gibt man nicht so einfach auf, oder? Beim letzten langen Anstieg treffe ich die Läuferin wieder, mit der ich fast baden gegangen wäre. In dem weglosen Gelände kann jeder dort laufen, wo es gut geht, aber sie meint nur zu mir, ob ich ihr mal aus dem Weg gehen könnte, sie möchte vorbei!? Hä? Ich antworte nur, dass es hier ja gar keinen Weg gibt und man ja überall laufen kann. Für so was habe ich nun wirklich keinen Nerv mehr. Erheiternder ist das Wiedersehen mit einer Britin, die ganz am Anfang übelst auf ihre Knie gestürzt ist und seitdem Verbände wie Knieschoner trägt. Wir muntern uns gegenseitig auf, indem wir uns auf ein Bier im Ziel verabreden. Ich würde in diesem Moment alles dafür geben, dass meine Krämpfe aufhören und ich wieder locker laufen kann, doch meine Wünsche werden nicht erhört. Beim letzten Verpflegungsposten will ich einfach aufgeben, doch Maja und Dodo reden mir gut zu, massieren meinen Bauch und schicken mich auf die letzten 15km bis zum Ziel. Hügel über Hügel laufe ich immer weiter und irgendwann bin ich da. Ich biege ein auf die lange Zielgerade. Die Zuschauer applaudieren, doch selbst darüber kann ich mich nicht mehr freuen. Nach über 12 Stunden erreiche ich das Ziel und habe alle meine persönlichen Ziele verfehlt.
Nun beginnt die Post-Race- Phase und die ist mitunter noch anstrengender, als das Rennen. In der Zielverpflegung langen mir gerade einmal ein paar Kartoffelchips und etwas Cola. Mehr schaffe ich nicht, obwohl ich weiss, dass diese Phase zur besseren Regeneration ganz essentiell ist. Wenn der Körper von aussen schnell protein,- und kohlenhydratreiche Kost bekommt, dauert die Wiederherstellungsphase nicht so lange und man ist schneller wieder frisch. Ich gehe derweil erstmal duschen und danach fühle ich mich schon ein bisschen normaler. Obwohl ich aufpassen muss, dass ich keine „Post-Race-Krämpfe“ bekomme. Das ist etwas ganz fieses und kommt meiner Meinung nach durch einen defizitären Wasser,- und Elektrolythaushalt. Schon bei den kleinsten Bewegungen krampft die Muskulatur und das tut sehr weh. Im Anschluss gönne ich meinen Beinen noch eine Massage und die Masseure kneten und trommeln, was das Zeug hält. Irgenwann bin ich zurück im Hotel und treffe alle anderen zum Abendessen, was nach so einer Anstrengung nicht üppig ausfällt. Der Körper muss ist viel zu erschöpft, als dass er grosse Mengen an Nahrung aufnehmen könnte. Als ich mich endlich auf meinem Bett ausstrecken kann, krampft sich hier und da nochmals ein Muskel zusammen, aber ich bin sehr froh, dass alles nun vorbei ist. Und dann tauchen sie auch wieder auf, die Gedanken und Ideen für neue Wettkämpfe. Das ist schon sehr speziell, wo ich doch 5 Stunden vorher noch felsenfest davon überzeugt war, dass das definitiv mein letzter Wettkampf war. Aber es gibt da einfach noch so viel zu entdecken...
Eine Weltmeisterschaft hat wohl ihre eigenen Bedingungen. Mit dem Damenteam sind wir 7. geworden und die Herren haben es sensationell auf den 3. Rang geschafft! Superstars! 
Jetzt steht die Erholung im Vordergrund mit viel Schlaf, trinken, essen und ausruhen. Um dann am 25.11. wieder durchzustarten: der nächste Vulkan steht an! Mehr dazu in Kürze! 

In diesem Sinne: Krisen kommen und Krisen gehen auch wieder.





Dienstag, 4. Oktober 2016

Auf geht`s!

Ab heute sind es noch 3 1/2 Wochen bis zum nächsten Wettkampf. Der steht in Portugal an und umfasst 85km mit 5000 Höhenmetern.  Kein Kindergeburtstag, da gehts um viel mehr. Dieses Mal reise ich nämlich wieder einmal mit dem Bundesadler im Gepäck und darf neben 5 anderen Frauen und 6 Männern das Deutsche Team vertreten. Ob ich Erwartungen habe? Klar, mitmachen und dabei sein. Nachdem ich im letzten Jahr mein Debut in Frankreich gegeben habe und dort auf dem 21. Platz gelandet bin, gehe ich dieses Jahr etwas realistischer an die Sache. Was ich geändert habe? Meine Einstellung, aber nicht die Motivation. Und das Training? Am Anfang der Vorbereitung heißt es bei mir immer wieder "mehr". Mehr Regeneration, mehr Tempoläufe, mehr Intervalle, mehr Berge. Die Bilanz nach der Hälfte der Vorbereitung sieht wie immer ganz anders aus. Weniger Tempoläufe, weniger Intervalle, etwas weniger Regeneration, dafür aber neue Methoden. Da ich ja permanent auf 1800 Höhenmetern lebe, versuche ich neue Reize auf einer neuen Höhe zu setzen. Somit kann es sein, dass ich erst 1000 hm auf einen Berg rauflaufe (zB. auf die Diavolezza) und dann dort oben nochmals Intervalle trainiere. Bisher habe ich 10x 30sec mit ca. 80% der HFmax gemacht. Da ich dort oben dann auf knapp 3000 Metern bin, ist die Intensität nicht ganz so hoch zu wählen. Bei den ersten Intervallen schwebe ich meistens noch voll euphorisch über die Geröllpisten, um dann spätestens bei den letzten 4 die Höhe ziemlich zu spüren. Aber: nur die Harten kommen in den Garten. Zudem gehe ich auch gerne auf die neue "Finnenbahn" bei meinem Lieblingssee "Lej Alv", welcher auf gut 2600 Metern liegt. Zuerst über die steile Piste bis zur Corviglia und dann dort oben 10 Runden à 1km drehen. Dabei unterstützt mich gute Musik aus dem i-Pod. Zudem sind dort oben auch gerne Wanderer, die auf einer der Parkbänke die Aussicht geniessen wollen. Spätestens bei der 2. Runde höre ich ein "Wie viele Runden laufen Sie denn?" . Und wenn ich dann sage "10", dann feuern sie mich jede Runde mit lautem Geklatsche an! Schön!
Mehr Regeneration... ja, das ist immer so eine Sache: Qualität vor Quantität, jedes Training 100% machen, nie müde starten, immer schön ausruhen. Da kann ich noch einiges lernen, aber ich werde besser. Zumal eine gute Regeneration auch viel mit Bewegung zu tun hat. Für mich läuft das am besten so ab: nach einem sehr langen Training (über 4 Stunden), mache ich ein Cool-Down-Walking von bestimmt 30 Minuten. Währenddessen trinke ich einen Proteinshake von Oatking und essen noch zusätzlich einen feinen Haferriegel oder einen Proteinriegel mit Erdnussbutter. Danach ab in die Badewanne und mindestens 1,5-2 Liter Flüssigkeit trinken. Und dann weiterhin in Bewegung bleiben. Sobald ich mich hinsetze und auf dem Sofa liege, rosten die Muskeln ein und ich bin nachher ein Roboter. Also vielleicht noch die Wohnung aufräumen, putzen oder die Blumen pflegen. Und dann aufs Sofa....
Eine weitere Methode, die ich auch immer wieder gerne anwende und darin immer besser werde, ist das Mentale Training. Wenn der Fuß zwickt oder der Oberschenkel brennt, dann stelle ich mir einfach  "gegenteilige" Bilder vor, die den Schmerz lösen. Beim brennenden Oberschenkel kann das die Feuerwehr sein, die zum Löschen kommt und eine Ladung Wasser und Schaum auf meine Oberschenkel gießt. Wenn die Lunge kurz vor Erschöpfung ist, stelle ich mir vor, wie sich nach und nach weitere Schleusen öffnen, die noch mehr Sauerstoff ins Blut transportieren. Und wenn der Fuß umgeknickt oder unsicher läuft, dann stelle ich mir bandagierte Pferdebeine vor, die elegant durch einen Parcours springen. Der Phantasie ist alles erlaubt. Und es funktioniert wirklich! 
In diesem Sinne: Immer "mehr" muss nicht sein. Hauptsache man findet Neues und freut sich über jede absolvierte Trainingseinheit. 
Mein Musiktipp: Tocotronic und Beatsteaks (die Oberknallermegakombi!!):